Wie veröffentliche ich ein Buch?

Im Rentenalter hat meine Mutter angefangen, plattdeutsche Geschichten zu schreiben. Neben Erlebnissen aus ihrer Kindheit und Schulzeit finden sich auch Jugendstreiche meiner Brüder und Erlebnisse mit Tieren und Naturbeobachtungen in den Geschichten und Reimen wieder. Nach und nach füllte sich ein Ordner mit den handgeschriebenen Geschichten und mit den von meinem Vater mit der Schreibmaschine abgeschriebenen Geschichten. Die erste "Veröffentlichung" bestand aus der Heftreihe "Luter lüttje Begebenheiten", Hefte 1 bis 5, die von meiner Mutter mit selbst gedrehten Kordeln gebunden wurden.

Irgendwann keimte der Gedanke auf, die Geschichten als Buch zu veröffentlichen. Ein Verlag in Oldenburg zeigte Interesse, wollte die Geschichten aber in Dateiform haben. So kam mein Vater im Rentenalter zu einem Computer, mit dessen Hilfe er die teils eingescannten Geschichten bearbeitete oder die Geschichten neu abschrieb. Zu der geplanten Veröffentlichung kam es aber zu Lebzeiten meiner Mutter nicht mehr, da der Verlag einen roten Faden vermisste.

Acht Jahre nach dem Tod meiner Mutter unternahmen wir einen neuen Anlauf. Nachdem wir die Datei druckfertig aufbereitet hatten, gab mein Vater bei einem book-on-demand-Verlag eine kleine Auflage für Familie und Freunde in Auftrag. Wieder acht Jahre später, im Frühjahr 2011, war die Idee, das Buch zu veröffentlichen, plötzlich wieder da. Ich setzte mir das Ziel: Zum 85. Geburtstag meiner Mutter im April 2012 soll das Buch im Buchhandel erhältlich sein! 

Gesagt, getan! Zunächst wird die Datei komplett durchgesehen. Dabei findet sich so allerlei, was geändert werden muss. Hier ist ein Wort anders als sonst geschrieben, dort sind zu viele Ausrufungszeichen, hier und da fehlt ein Absatz, die vor acht Jahren eingescannten Illustrationen sehen einfach grauenvoll aus und, und, und ... Wie gut, dass es eine Autokorrektur gibt, die allerdings auch gnadenlos zuschlägt und manchmal wieder rückgängig gemacht werden muss. Eine unabsichtlich per Autokorrektur gezauberte Wortschöpfung - aus Swien (Schwein) wird SwiEnn - fällt mir erst viel später nach Veröffentlichtung des Buches auf. Ein Print-on-demand-Verlag wird gesucht und ist schnell gefunden: edition winterwork aus Sachsen verlegt das Buch zu einem günstigen Preis und präsentiert es auf der Leipziger Buchmesse, benötigt dafür aber eine druckfertige Datei und den druckfertigen Buchumschlag. Ein Titelbild muss her. Zunächst sollen es Blumen oder blühende Sträucher sein, aber das wirkt zu unruhig. Passend zu einer der Geschichten finde ich in meiner Fotosammlung einen flügelschlagenden Schwan. Der Familienrat begutachtet das Ergebnis und segnet es ab. Der Auftrag wird erteilt, geschafft!

Im August 2011 erscheint das Buch und wird im März 2012 auf der Leipziger Buchmesse präsentiert - rechtzeitig zum 85. Geburtstag meiner Mutter.

  Von der Heftreihe zum Buch